Am 6. Oktober war es wieder einmal so weit und die Türen der weltgrößten Brettspielmesse in Essen, der SPIEL, öffneten sich für die Öffentlichkeit. Während der insgesamt 4 Ausstellungstage präsentierten 980 verschiedene Austellerinnen aus 56 Nationen über 1800 Neuheiten den insgesamt 147.000 Besucherinnen [1]. Auch wir waren am Samstag vor Ort und haben uns von dem bunten Potpourri an Gesellschaftsspielen und Spielzubehör verzaubern und zu der ein oder anderen Spielepartie verleiten lassen.
Doch auch schon bevor wir unsere Füße auf den Boden der Messe setzten, wurden wir durch ausführliche Berichterstattung in den verschiedensten Medien perfekt auf das Event vorbereitet. So interviewte das Beeple Netwerk Verlage und Autoren in ihrem Messeradio [2], auf Instagram posteten sämtliche Content Creators ihre Wunschlisten und auf Youtube berichtete Simon aka Brettman bereits Monate im Voraus in regelmäßigen Updates auf dem offiziellen Kanal der Messe [3]. Diese Aufzählung bildet nur ein kleinen Bruchteil der Online-Berichterstattung ab, veranschaulicht aber, dass diese sich über sämtliche Medien erstreckte und Brettspielversessene schon im Voraus auf die größte Veranstaltung der Szene einstimmte. Eine SPIEL.digital, also eine Online-Messe, wie sie 2020 stattfand oder ein Hybridformat wie noch im Vorjahr, gab es allerdings nicht, was sicherlich die ein oder andere Daheimgebliebene geärgert hat.
Bereits am Mittwoch vor der Messe erreichte die Vorberichtserstattung dann ihren Höhepunkt als vor allem auf Youtube und Instagram die ersten Berichte und Bilder von der offiziellen Neuheitenschau den Rest der Brettspielbegeisterten erreichten. Hiermit stimmte ich mich schonmal ein, feilte an meiner Liste und die Vorfreude stieg ins Unermeßliche. Am nächsen Tag folgte prompt die Ernüchterung als erste Content Creators davon berichteten, dass einige Neuheiten bereits innerhalb des ersten Tages ausverkauft seien. Tatsächlich versuchten viele Verlage aber aus dem Vorjahr zu lernen und stellten für jeden der Messetage ein bestimmtes Kontigent an Spielen zur Verfügung, was in vielen Fällen zwar nicht ausreichte, aber zumindest auch Besucherinnen, die erst am Wochenende dazustießen, eine theoretische Chance einräumten, die begehrten Neuheiten zu ergattern.

Ein herber Rückschlag (?)
Am Samstag ging es dann früh mit dem Auto los um einen Platz im Parkhaus P5 zu ergattern und pünktlich vor den Toren der Halle 3 zu sein. Um Punkt 10 öffneten sich diese und wir machten uns direkt auf, Turing Machine von Le Scorpion Masqué zu besorgen, mein absoluter Favorit, von dem ich schon gehört hatte, dass er schnell ausverkauft sein würde. Bereits 10:15 war es dann auch soweit, circa 5 Kundinnen noch vor uns und so machten wir, und der Großteil der beträchtlichen Schlange hinter uns, uns enttäuscht davon. Nach diesem herben Rückschlag beschlossen wir es ruhig anzugehen, da die Liste mit interessanten Spielen so lang war, dass wir uns sicher waren, am Ende mit genügend tollen Neuheiten nach Hause zu gehen.
Gespielt
Somit schlenderten wir relativ gelassen von Stand zu Stand, trotz ausgedruckten Hallenplänen mehr planlos als durchdacht, und sammelten zunächst Vorbestellungen ein, um dann in Halle 1 uns an den ersten Spieletisch zu setzen. Hier spielten wir am Stand von MEBO das Spiel Lisbon Tram 28, was aufgrund des Themas schon länger auf der Wunschliste meines Mannes stand. Hierbei handelt es sich um ein Pick-up-and-Deliver-Spiel, bei welchem wir Karten ausspielen, um uns über den Spielplan zu bewegen, Meeple einzusammeln und an bestimmte Orte transportieren, um so Siegpunkte durch das Erfüllen von Aufträgen zu erhalten. In Halle 4 liefen wir dann an einem leeren Tisch von 2Tomatoes Games vorbei, die ihre Neuheit Coral vorstellten, und ließen uns dieses prompt anhand einer Probepartie erklären. Das Spiel, bei welchem wir versuchen mit unseren L-förmigen 3D-Korallen das meiste Licht einzufangen, spielte sich fluffig und schnell in innerhalb von 15 Minuten und erinnert in seiner Interaktion ein wenig an Photosynthese. In Halle 5 holten wir dann Autobahn ab, welches ich vorbestellt hatte und kamen gerade rechtzeitig, um uns das Spiel auch vom Designer Fabio Lopiano signieren zu lassen. Gespielt wurde dann als nächstes Wonder Woods aka Schätze des Waldes am Stand von Blue Orange Games, welches ich mir gerne ansehen wollte, da es mit dem Mechanismus „Deduktion“ markiert war. Hier schlüpfen wir in die Rollen von eifrigen Pilzsammlerinnen, die versuchen die wertvollsten Pilze zu sammeln, während diese Information auf alle Spielerinnen aufgeteilt ist, wir also deduzieren müssen, welche Pilze am meisten Punkte bringen. Diese Art von Deduktion ähnelt eher Spielen wie Love Letter, wo wir geschickt versuchen uns gegenseitig zu täuschen, und daher ist es zunächst nicht in meiner Sammlung gelandet, obwohl es uns allen gut gefiel. Mit Füßen müde vom ständigen Herumlaufen und Erkunden setzten wir uns am späten Nachmittag dann noch an den Stand von Zoch, ohne etwas großes zu erwarten, da hier viele Familienspiele aufgebaut waren. Eine freundliche Erklärbärin machte es sich dann aber zur Aufgabe unsere müden Geister wieder etwas zu fordern, indem sie uns das Spiel Mana Mana erklärte. Hier versuchen wir durch das Ablegen vor Karten vor uns aber auch vor unseren Mitspielerinnen Punkte zu erhalten, ohne Punkte an die anderen zu verschenken. Am Ende bemerkten wir, dass dieses Spiel mehr Kniff bot als zunächst erwartet, ich denke für Kartenspielliebhaberinnen und Familienrunden sicherlich einen Blick wert.






Gekauft
Zwischen unseren Spielepartien bummelten wir von Stand zu Stand, vor allem in den Hallen 3, 4 und 5 und immer wieder landeten Neuheiten in unserer Tüte, aber auch ältere Spiele standen auf der Liste. So wollte mein Mann gerne die Intrigen-Erweiterung zu Dominion zum Angebotspreis mitnehmen und ich wollte unbedingt Wok & Roll von Origame einsammeln, da es außerhalb der Messe schwieriger ist an Spiele des singaporeanischen Verlages zu kommen. Positiv überrascht wurde ich, als wir relativ spät noch am Stand von Delicious Games vorbei liefen und tatsächlich noch ohne Weiteres an eine Kopie von Woodcraft kamen, einer der Hype-Titel dieses Jahr auf der Messe. Außerdem nutzten wir auch die Chance uns die verschiedenen Hersteller von Brettspieltischen anzuschauen, sowie die verschiedenen Arten von Inlays, die für unsere liebsten Spiele angeboten wurden. Dort verliebte ich mich dann direkt in das Inlay und die Schachtel für Die Quacksalber von Quedlinburg von Laserox und konnte auch meinen Mann davon überzeugen diese mitzunehmen. Unten seht ihr, was dann letztendlich doch noch so alles in die Einkaufstüte schaffte.

3 persönliche Highlights auf der SPIEL ’22:
- die Menschen – ich bin kein Fan von großen Menschenmengen, aber die Interaktion mit Ausstellerinnen und anderen Menschen auf der Messe war durchweg positiv, alle waren nett und freundlich und haben den Tag erst perfekt gemacht. Ein großer Dank an dieser Stelle auch nochmal an die wundervollen Erklärerinnen, ohne die die Messe nur halb so schön gewesen wäre
- Internationalität – ich war total geflasht davon, so viele verschiedene Verlage aus so vielen Ländern sehen zu können und mir auch das ein oder andere Spiel, welches es eventuell nicht in den deutschen Vetrieb schaffen wird, zu besorgen
- Geschenke – ja, ich gebe zu, ich freue mich immer, wenn man eine kleine Promo oder ein Spiel gratis bekommt. Am meisten erstaunt war ich, dass ich durch den Kauf des Inlays ein richtiges Spiel geschenkt bekommen habe, auch wenn es ein für mich bilang unbekannter Titel ist (Scheffeln)*
Resümee
Alles in allem hatten wir einen wunderbaren Tag auf der Messe, auch wenn er zu kurz war, um wirklich alles zu entdecken und natürlich viel zu kurz, um alle interessanten Spiele anzutesten. Daher ist die Unterkunft für das nächste Jahr bereits gebucht, um beim nächsten Mal noch mehr Eindrücke sammeln zu können und vor allem noch das üppige Rahmenprogramm noch besser zu nutzen. So war unsere Zeit zu begrenzt, um uns die Podiumsdiskussionen und Voträge ihm Rahmen des Research Days anzusehen, etwas das ich hoffe nächstes Jahr nachholen zu können. Bis dahin bleibt nur die Vorfreude aufs nächste Jahr und natürlich die Neuheiten, welche jetzt nach und nach ausgetestet werden wollen. Übrigens: 2023 findet die Messe vom 5. bis zum 8. Oktober statt.
Euch allen viel Spaß beim Spielen, seien es Neuheiten oder Altbewährtes!
[1] https://www.spiel-messe.com/wp-content/uploads/2022/10/Abschlussbericht-SPIEL-22.pdf
[2] https://beeple.de/beeple-messe-radio-spiel-22-das-programm/
[3] https://www.youtube.com/c/SPIELMesse
*bei den genannten Geschenken handelt es sich nicht um Rezensionsexemplare