Lass uns ZUSAMMEN spielen!

Letztlich ist mir bei einem Blick in mein Regal aufgefallen, dass sich die Anzahl an kooperativen Spielen in meiner Sammlung rasch von 0 auf 15 (aktuelle Schätzung ohne semi-kooperative Spiele sowie Exit-Spiele) erhöht hat. Darum habe ich mir die Frage gestellt, woher dieser Trend zu kooperativen Spielen in den letzten Jahren kommt oder ob ich diesen vielleicht vorher einfach nicht mitbekommen hatte.

Ich zusammen mit einigen der kooperativen Spiele vor meinem Regal. Foto von: Marah Stoldt.

Konflikt – nein danke?

Spielen bereichtert das Leben, erlaubt es in immer andere und fantastische Welten einzutauchen, und das auch noch gemeinsam mit (im besten Fall) geliebten Menschen. Doch sicherlich hat jeder schon eine Spielerunde erlebt, in der die Stimmung gekippt ist, weil es nunmal in den meisten Spielen Gewinnerinnen aber auch Verliererinnen gibt und das nicht immer jedem gefällt. Schlechte Verliererinnen zählen sicherlich neben Chips-Fingern zu den Feinden entspannter Spielerunden. Da kommen kooperative Spiele doch gerade richtig, entfällt hier zumindest die Diskrepanz im Erfolg der einzelnen Spielerinnen, man gewinnt oder verliert halt zusammen. So nachvollziehbar das nun auch klingt, man sollte keinesfalls glauben, dass kooperative Spiele ganz ohne Konflikt auskommen. Und da kommt dann das „Alpha-Leader-Problem“ ins Spiel: Besonders, wenn ein Spiel von einigen Spielerinnen schon des öfteren gespielt wurde, entwickelt sich häufig eine Dynamik, in der eine Person (hier „Alpha“ genannt) die Führung übernimmt und den anderen Spielerinnen sagt, wo’s lang geht. Das kann bis zu einem bestimmten Grad sogar hilfreich sein und der ein oder andere mag sich vielleicht auf die Expertise erfahrenerer Mitspielerinnen gerne verlassen, aber sollte das nicht der Fall sein, droht auch hier Konflikt. Doch gerade, wer viel in kleineren Runden oder zu zweit spielt und immer in derselben Besetzung, für die bieten kooperative Spiele sicherlich eine friedlichere Alternative zu kompetitiven wenn nicht sogar konfrantativen Brettspielen.

Wie schwer darf es denn sein?

Bei kooperativen Spielen heißt es wir gegen das Spiel und dies bietet auch ganz neue Möglichkeiten. So kann in vielen Spielen der Schwierigkeitsgrad variabel angepasst werden, je nachdem wie schwer man es halt mag und wie geübt man eventuell in eben jenem Spiel ist. Dadurch wird der Einstieg erleichtert und gleichzeitig wird der Wiederspielreiz oftmals erhöht, weil man sich selber gerne herausfordern möchte, indem man die höchste Schwierigkeitsstufe versucht zu meistern. Dabei muss ich aber sagen, dass für mich persönlich Letzteres selten zutrifft, da für mich Spiele an Reiz verlieren sobald ich das Ziel erreicht habe. Ich finde es dennoch angenehm, dass Spiele wie Sebastian Fitzek Killercruise es mir erlauben, den Schwierigkeitsgrad etwas anzupassen, wenn ich nach der ersten Partie das Gefühl habe, dass es doch ein kleines bisschen zu einfach war.

Wir schaffen das!

Gemeinsam Lord Voldemort besiegen oder eine Großküche organisieren, all dies wirkt sich auch positiv auf das Gruppengefühl der Mitspielerinnen aus. Eine gemeinsame Aufgabe oder ein gemeinsamer Feind einen diese in ihrem Ziel und sorgen für schöne Momente, an die man sich gerne innerhalb der Gruppe zurückerinnert. Somit sind kooperative Spiele vielleicht genau der richtige Start für eine neue Spielerunde, die erst noch genug Motivation braucht, sich regelmäßig zu treffen und gerade für Neueinsteiger steht oftmals zunächst der soziale Aspekt des Spielens im Vordergrund.

Kein ganz neues Phänomen

Okay, die oben genannten Gründe scheinen nachvollziehbar und in der Tat bin ich ein konfliktscheuer Mensch, der sich sofort unwohl fühlt, wenn die Stimmung am Spieletisch kippt. Warum trudeln dann erst jetzt kooperative Spiele bei mir ein? Neu sind sie nämlich nicht, ein berühmter Vertreter ist zum Beispiel Pandemie, welches schon 2008 erschien und sich auch noch immer gewisser Beliebtheit erfreut, vor allem die Legacy-Umsetzung. Auch Robinson Crusoe erschien bereits 2012 und wird heute wieder auf Gamefound in einer Collector’s Edition gelauncht. Für mich fing die Faszination erst mit dem Spiel des Jahres 2019, Just One, an und setzte sich im selben Jahr fort, als dann am Ende des Jahres auch noch Harry Potter Kampf um Hogwarts erschien, ein Muss für jeden Harry Potter-Fan. Besonders gut gefällt mir das neue Spielgefühl, welches aufkommt gerade im Vergleich zu Eurogames, bei denen es oft ums Siegpunktesammeln geht. Bei kooperativen Spielen geht es stattdessen darum gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen oder gegen die Zeit. Ich spiele nach wie vor auch noch sehr gerne kompetitiv aber kooperative Spiele werden in nächster Zeit mein Regal nicht mehr verlassen und es werden sicherlich auch noch einige hinzukommen.

Ich hoffe sehr, euch hat mein kleiner Beitrag gefallen und die von euch, die noch keine kooperativen Spiele im Regal stehen haben, denken nochmal darüber nach sich doch noch eines anzuschaffen. So oder so wünsche ich euch frohes Spielen!

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