Während der Spiel.digital haben auch wir einen kleinen Ausflug zum lokalen Brettspielgeschäft unternommen. Thema und vor allem visuelle Aufmachung haben uns dazu bewogen, dieses Schätzchen in unsere Sammlung aufzunehmen. Lust auf einen Ausflug?
- Autor: Al Leduc
- Artwork: Eric Hibbeler (Illustrationen), David Prieto (Grafikdesign und Layout)
- Verlag: Ludonova
- Spielerinnenanzahl: 1-4
- Spieldauer: 60-90 Minuten
- Alter: ab 10 Jahren
Spielmaterial
Innerhalb der von außen in auffälligem Lila gehaltenen Spieleschachtel ohne Inlay verbirgt sich zunächst ein viermal so großes Spielbrett. Auf diesem sind neben einer Karte des Yukons, ein Gebiet im Nordwesten Kanadas, die Abflugstege, an denen unsere Wasserflugzeuge ihre Passagiere in Form von Würfeln aufnehmen, sowie eine Wochenleiste zu erkennen. Zusätzlich sind für jede Spielerin individuelle Spielerboards enthalten. Der besondere Reiz ist hier sicherlich der Teil, der das Cockpit repräsentiert und aus 6 runden Anzeigen sowie 8 Schaltern besteht. Diese müssen vor der ersten Partie zunächst noch zusammengebaut werden, was aber bei uns reibungslos verlief und es sind ebenfalls genug Ersatzteile vorhanden, sollte hier mal etwas schiefgehen. Die gesamte Aufmachung des Spieles ist in einer Mischung aus knalligen und Pastelltönen gehalten, darunter auch die hölzernen Spielfiguren, die die Wasserflugzeuge selbst darstellen. Die Aufmachung der Spielkarten, von denen insgesamt 89 beiliegen, erinnert an Flügelschlag und ist sehr hochwertig, sowie auch der Rest des Spielmaterials.

Anleitung
Neben einem Vorwort, einer Doppelseite für den Aufbau und dem Anhang mit detaillierter Erklärung der Anzeigen und Karten, umfasst die Anleitung selber nur 2 Doppelseiten in großer Schrift und mit reichlich Abbildungen und Beispielen. Eben diese sind es auch, die einen nach Lesen der Anleitung erst einmal ohne viele Fragen direkt ins Spiel starten lassen. Die verwendete Ikonographie ist verständlich und erleichtert den Wiedereinstieg bei darauffolgenden Partien und der Anhang dient als nützliches Nachschlagewerk bei Unklarheiten.

Spielmechanismus
Yukon Airways ist ein Pickup-and-Delivery-Spiel, bei dem wir Passagiere in Form von Würfeln an Orte transportieren müssen und welches über insgesamt 6 Runden gespielt wird. Ziel ist es durch geschickte Routenplanung und Verbesserungen am eigenen Flieger, das meiste Geld am Ende des Spiels verdient zu haben.
Jede Runde besteht aus insgesamt 4 Phasen. In der ersten, der Boardingphase, entscheiden sich die Spielerinnen reihum beginnend bei der Startspielerin für einen der 6 Flugstege. An diesen warten die Passagierwürfel auf uns, doch können wir in der Regel nur Würfel derselben Farbe vom selben Steg boarden. Zusätzlich bietet jeder Steg noch einen Bonus, der sofort ausgeführt werden darf, zum Beispiel, dass dieses Mal auch 2 Würfel unterschiedlicher Farbe aufgenommen werden dürfen. Der oberste Steg besitzt keinen Bonus, hat man sich mit dessen Auswahl doch den Startspielervorteil bis zur nächsten Boardingphase gesichert, ansonsten wird die Spielerin auf dem nächstgelegenen Steg zur Startspielerin. Zum Schluss der Phase müssen wir noch unsere Treibstoffanzeige entsprechend der Passagieranzahl anpassen. Unsere Flieger bieten insgesamt Platz für bis zu vier Passagiere, doch für jeden Passagier können wir entsprechend weniger Treibstoff zu Beginn der Runde laden, wodurch wir eventuell nicht ans gewünschte Ziel kommen. Dann folgt auch schon die Flugphase. Durch Ausspielen von Ticketkarten befördern wir jeweils einen Passagier an den jeweiligen Ort, dabei können auch 3 beliebige Karten abgeworfen und als Joker verwendet werden. Durch Ausspielen weiterer Karten mit demselben Bonussymbol können eben jene Boni freigeschaltet werden, die zusätzliches Geld oder Treibstoff bringen, beziehungswiese eine Verbesserung am Flieger erlauben. Natürlich muss auch entsprechend genug Treibstoff vorhanden sein, um zum jeweiligen Zielort zu gelangen, was sowohl auf dem Spielbrett als auch auf den Karten selber abgedruckt ist. Wird ein Passagierwürfel erfolgreich an seine Wunschdestination befördert, erhält die Spielerin als Belohnung einen Holzwürfel als Ortsmarker, welchen er auf der Miniaturkarte auf seinem Spielertableauf ablegt. Stimmen Passagierwürfel und Ortsmarker am Ort in ihrer Farbe überein, darf nicht nur der Würfel eben dieser Farbe genommen werden (sonst wird ein grauer Würfel genommen), sondern zusätzlich eine Verbesserung am Flieger vorgenommen werden. Nachdem alle Spielerinnen reihum ihre Passagiere abgeladen haben, folgt die Einkommensphase, in der man Geld erhält entsprechend der Anzahl an beförderten Passagieren, Entfernung des Flugziels zum Ausgangspunkt Whitehorse und eventuellen Auftragskarten. Von letzteren liegen pro Partie 3 von insgesamt 9 aus, die Boni entweder bereits in der Flug- oder der Einkommensphase bringen. Danach folgt die Wartungsphase als Vorbereitung auf die nächste Runde.
Das Spiel endet nach 6 Tagen am Sonntag (Montag ist frei) und die Spielerinnen zählen das Geld zusammen, was sie während der Partie verdient haben, zusammen mit dem Weihnachtsgeld (einer der möglichen Verbesserungen im Cockpit). Zusätzlich gibt es Punkte für die Anzahl an verschiedenen besuchten Flugzielen und für die Anzahl der Holzwürfel der häufigsten Farbe auf dem eigenen Spielertableau, hat man während des Spiels die entsprechende Verbesserung vorgenommen.

Fazit
Bei Yukon Airways verspricht das äußerst ansprechende Äußere auf jeden Fall nicht zu viel: Hier verbirgt sich in der Schachtel ein Spiel, das nicht nur einfach zu erlernen ist, sondern auch schwer zu meistern und deshalb viel Wiederspielreiz bietet. Ein Spiel perfekt für all diejenigen, die keine allzu langen Erklärungen mögen und dennoch ein Spiel suchen, das einen vor knifflige Entscheidungen stellt, zum Beispiel welche Verbesserung als nächste vorzunehmen ist. Nur zu oft findet man sich vor eben jenen Entscheidung und weiß nicht, ob es gerade wichtiger ist, sich einen Treibstoffbonus für kommende Runden zu sichern, mehr Ticketkarten nachziehen zu dürfen oder mehr von eben diesen auf der Hand zu behalten. Varianz bei darauffolgenden Partien wird dadurch geschaffen, dass immer nur 3 der insgesamt 9 Auftragskarten im Spiel sind. Glück ist natürlich auch dabei, zum einen beim Ziehen der Ticketkarten, ist es doch sehr teuer 3 von ihnen abzugeben, weil man sein Wunschziel einfach nicht gezogen hat, und natürlich durch die Passagierwürfel, die ein Planen bis in die nächste Runde erschweren. Ein kleines Manko sind für mich die 2 Strecken, die nicht ohne vorherigen Zwischenstopp zu erreichen sind: Inuvik und Old Crow. Nur zu oft habe ich diesen Umstand beim Planen vergessen und mich letztendlich über das Spiel geärgert. Aber das ist natürlich mehr mein eigenes Verfehlen und spricht außerdem dafür wie thematisch dieses Spiel ist: Man kann halt nicht überall ohne Zwischenstopp hinfliegen – klingt schlüssig. Und hier liegt meiner Meinung nach die größte Stärke dieses Spiels: Hier ist Herzensblut reingeflossen! Noch nie musste ich beim Lesen einer Einleitung (zugegeben dem Vorwort) eine Träne verdrücken. Al Leduc hat ein Spiel geschaffen in Erinnerung an seinen Vater, dessen Leben und Beruf Vorbild waren. Ein Strategiespiel mit außergewöhnlich liebevoller, thematischer Umsetzung und damit nicht nur etwas für Flugbegeisterte!