„Pile of Shame“ oder „Pile of Opportunities“?

Wie magisch! Kaum findet ein weiteres Kallax seinen Weg in meine Wohnung, schon steht es voller Brettspiele und verlangt nach weiterer Expansion. Dennoch spiele ich nicht mehr Brettspiele als vorher, darum stapeln sich die Spiele, die ihr Dasein ungespielt in meinem Regal fristen. Woher kommt nur das Bedürfnis immer neue Spiele zu kaufen und was kann ich dagegen tun?

Warum kaufen?

Zum jetzigen Zeitpunkt umfasst meine Brettspielsammlung über 150 Karten-, Würfel- und Brettspiele, das bedeutet ich könnte 5 Monate lang jeden Tag ein anderes Spiel spielen ohne mich zu wiederholen. Selten mache ich diese Überlegung, rede ich mir doch tagtäglich ein, dass ich jedes einzelne meiner Spiele brauche und auch regelmäßig spiele, was angesichts obiger Rechnung eher unwahrscheinlich ist. Und auch meine BG Stats-App beweist: Es gibt nicht wenige Spiele, die ungespielt im Regal versauern. Dennoch erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich meine Wunschliste an Spielen erweitere und jeden Monat finden neue Brettspiele ihren Weg in mein Regal. Doch warum kaufe ich weitere Spiele, habe ich doch bereits so viele Spiele, die ich wirklich gerne spiele und auch gerne noch öfter spielen würde?

Mein Pile of Shame Stand 10. Januar 2021. Foto von: Marah Stoldt.

Der Spaß am Neuen

Heute eine Köchin in der Großküche eines Restaurants, morgen eine Alchemistin beim Tränke brauen, viele moderne Brettspiele entführen uns mit ihrer thematischen Einbettung in neue Welten und genau das liebe ich so sehr. Viele meiner Spiele habe ich aufgrund der Thematik gekauft, und so geschieht es oft, dass ein neues Spiel mit ansprechendem Thema herauskommt und sofort auf meiner Wunschliste landet. Natürlich werde ich zusätzlich noch durch das Konsumieren verschiedener Brettspielblogs und Youtube-Kanäle immer wieder auf Neuheiten aufmerksam gemacht, die meine Neugier wecken. Neue Spiele entdecken gehört für mich einfach irgendwie zum Hobby dazu und da ich mich von vielen der älteren Spiele trotzdem nicht trennen mag, wächst meine Sammlung weiter.

Spielen oder Kaufen

Vielleicht kann der ein oder andere mit mir fühlen, wenn ich sage: Ich spiele weniger als ich gerne würde. Nur zu selten bietet sich die Gelegenheit zu spielen, in der Arbeitswoche ist keine Zeit und am Wochenende hat man oft noch andere Pläne. Ich gebe zu während der Pandemie hat sich die Situation am Wochenende sehr verändert, daher haben mein Mann und ich im Jahr 2020 so viel gespielt wie noch nie. Dennoch ertappe ich mich oft wie ich bei BGG surfe und meine Wunschliste erweitere, weil ich gerade nicht spiele, sich meine Gedanken aber dennoch rund ums schönste Hobby der Welt drehen. Hier liegt natürlich gewissermaßen das Dilemma, da ich bloß durch den Besitz neuer Spiele ja nicht unbedingt mehr spiele und so bleiben gerade die neueren Spiele dann oft erstmal ungespielt. Darüber hinaus liebe ich es neue Spiele zu kaufen, von denen ich denke, dass sie entweder meinem Mann oder Freunden und Familie gut gefallen könnten, um damit eventuell Spielerunden auszubauen. Trifft sich aber dann diese Gruppe nicht oder werden am Ende andere Spiele vorgeschlagen, bleibt das Spiel erst einmal im Regal stehen. Bedeutet das, dass ich weniger kaufen würde, würde ich mehr spielen? Vermutlich nicht.

Wo liegt das Problem?

Das Besitzen von zu vielen ungespielten Brettspielen als ernsthaftes Problem zu bezeichnen, liegt mir fern, bin ich mir doch durchaus bewusst, dass es sich hier um ein klassisches „First World Problem“ handelt. Mich beschäftigt eben jenes aber doch immer wieder. Warum? Vielleicht erinnert sich die ein oder andere an Marie Kondo, die anderen Menschen dabei half, ihre Wohnung nicht nur aufzuräumen, sondern sich gleichzeitig auch noch von unnötigem materiellen Ballast zu befreien. Auch wenn ich kein Mensch für den reinen Minimalismus bin, so habe ich doch immer versucht, regelmäßig meine Wohnung und damit auch mein Leben zu entrümpeln. Doch bei Brettspielen hört die Disziplin auf, und so wird weiter gekauft, obwohl noch genug Ungespieltes vorhanden ist. Und das macht ich an manchen Tagen regelrecht traurig, sind Brettspiele doch dafür da gespielt zu werden. Also was tun? Weniger kaufen oder mehr geliebte Spiele aussortieren?

Was tun?

Meine Antwort: Weder noch, beziehungsweise von beidem etwas. Im Hinblick auf das neue Jahr habe ich mir ein paar Vorsätze zum Thema Brettspielen überlegt, die ich hier mit euch teilen möchte:

  • Direkt spielen. Hier sind wir schon relativ gut, deshalb ist mein derzeitiger Pile of Shame auch nicht so hoch: Wird ein neues Spiel gekauft, versuchen wir es direkt danach auch zu spielen. Das klappt natürlich nicht immer, vor allem bei Spielen für größere Runden.
  • Mehr spielen. Klar, das wünschen wir uns doch alle. Ich meine hiermit aber nicht die Anzahl an Partien, sondern dass ich jedes einzelne Spiel gerne öfter spielen würde. Vielleicht ist bei manchen Spielen der Wiederspielreiz gar nicht so groß wie gedacht und es finden sich so am Ende doch noch ein paar Kandidaten, die aus meinem Regal ausziehen können. Um diesen Vorsatz voranzutreiben, habe ich in der BG Stats-App eine 15×15-Challenge angefangen, bedeutet, dass ich bis Ende des Jahres 15 meiner Spiele mindestens 15mal gespielt haben möchte. Ob das letztendlich klappt, sehen wir dann im Dezember.
  • Nicht nachkaufen. Manchmal spiele ich ein Spiel bei Freunden oder Familie und denke mir danach: „Das muss ich unbedingt auch haben!“. Natürlich haben auf diesem Weg auch Schätzchen wie Underwater Cities ihren Weg in unsere Sammlung gefunden, ein Spiel, das ich auf keinen Fall missen möchte. Allerdings stellt sich schon die Frage, wenn man in einem Jahr nur 14 Spiele mehr als 10mal gespielt hat, ist es dann wirklich notwendig sich selber jedes Spiel anzuschaffen? Wahrscheinlich nicht.
  • Ehrlich sein. Damit meine ich, dass ich in Zukunft ehrlicher zu mir selbst sein will und mich vor dem Kauf selber fragen muss, ob es überhaupt realistisch ist, das gekaufte Spiel in naher Zukunft (sagen wir in den nächsten 2 Jahren) zu spielen. Ein Spiel zu kaufen, dass am besten zu acht funktioniert, obwohl man die meiste Zeit nur zu zweit spielt und genug ungespielte Spiel für große Gruppen im Regal stehen hat, wird 2021 hoffentlich weniger häufig vorkommen.
  • Die Einstellung ändern. Statt mich selbst beim Blick auf meinen Pile für mein Kaufverhalten zu verfluchen, möchte ich anfangen ihn tatsächlich als einen Haufen voller Möglichkeiten zu betrachten. Vielleicht führt das ja letztendlich dazu, dass ich weniger ungespielte Spiele vor mir durchs Jahr 2021 schiebe.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Beitrag gefallen und wünsche euch, dass euer Pile of Opportunities bald heruntergezockt wird.

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