Für mich war Brettspielen schon immer ein Teil meines Lebens, aber vorerst nur auf Spielen im Kreise meiner Familie beschränkt. Ich denke schon man könnte behaupten ich stamme aus einer brettspielbegeisterten Familie, gerade mein Vater war hier schon immer die treibende Kraft und hat maßgebend zu meiner Faszination für Brettspiele beigetragen. Nachdem ich also zu Beginn meines Studiums von zuhause ausgezogen war, verlor das Spielen etwas an Bedeutung und ich spielte lediglich wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern war. Und so hatte auch mein Mann seinen ersten Kontakt zu modernen Brettspielen bei meinen Eltern vor nun über 7 Jahren.
Mir war natürlich klar, dass es zunächst sicherlich etwas einschüchternd gewirkt haben muss, die riesige Spielesammlung meines Vaters und die Art wie wir innerhalb der Familie gespielt haben: Den Neuen gewinnen lassen? – Gibt’s nicht! Trotzdem habe ich mich gefreut, dass mein Mann der ganzen Sache doch relativ positiv zugetan war und so sah ich zum ersten Mal die Chance, das Spielen auch in meinen Alltag zu integrieren. Damals beschränkte sich meine eigene Spielesammlung auf ein Qwixx, welches ich zum Umzug geschenkt bekommen hatte, sowie ein Mau-Mau und ein Zug um Zug. Tatsächlich war mein Mann sehr angetan von Qwixx und so fingen wir an, ab und zu eine Partie zu spielen. Um diese Entwicklung zusätzlich zu unterstützen brachte ich bei jeder Gelegenheit einen neuen Block oder eine weitere Variante wie Qwinto mit, welche auch gelegentlich gespielt wurden, aber noch keine Begeisterungsstürme auslösten.
Dann kam das Jahr 2016 und damit unser erster (und leider bisher einziger) Besuch der Messe in Essen. Natürlich war mein Mann hauptsächlich mir zur Liebe da, aber tatsächlich haben wir damals schon als arme Studentinnen 2 Spiele gekauft, die uns vorher gut gefallen hatten: Isle of Skye und Codenames – auch wenn beide zunächst ungespielt im Regal verweilten. 2018 bin ich dann im Brettspielladen in Husum („Magische Welten“) auf „Ganz schön clever!“ gestoßen. Obwohl es mich optisch nicht 100% angesprochen hatte, dachte ich sofort, dass es meinem Mann gut gefallen könnte, funktionierte es ja ähnlich wie Qwixx – ein Roll&Write halt. Und da schlug dann der Funken über und wir fingen an regelmäßig eine Runde zu spielen und verschenkten das Spiel auch an eine Freundin, weil wir es so schön fanden.
Im selbigen Jahr sind wir dann über Silvester mit Freundinnen nach Dänemark in den Urlaub gefahren, ohne den expliziten Plan Brettspiele zu spielen, aber als meine Freundin fragte, ob wir Spiele mitbringen könnten, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Und so verbrachten wir am Ende einen tollen Urlaub, in dem wir die meiste Zeit Spiele spielten, darunter auch Dominion, welches wir zu dem Zeitpunkt nicht selber besaßen. Meinem Mann gefiel es aber so gut, dass ich es im Anschluß direkt gekauft habe. Und so fingen wir auch langsam an „größere“ Spiele zu zweit zu spielen, darunter auch Spiele wie Reef und Targi. Zur selben Zeit fing ich an, meine Spielesammlung extrem zu vergrößern, hatte ich doch Brettspiel-Youtuberinnen für mich entdeckt. So trudelten immer mehr Brettspiele bei uns ein, und mein Mann war gerne bereit sie mit mir zu spielen, damals aber hauptsächlich abstrakte Spiele, Familienspiele und vielleicht mal das ein oder andere leichtere Kennerspiel wie Die Quacksalber von Quedlinburg.
Dann kam 2020, und mit der Pandemie hatten wir plötzlich auch am Wochenende keine Verabredungen mehr und sehr viel Zeit zum Spielen. Somit fing ich auch an das ein oder andere Expertenspiel vorzuschlagen, natürlich nachdem ich mir vorher die Regeln angeeignet hatte, um meinem Mann den Einstieg schmackhafter zu machen. Plötzlich spielten wir Underwater Cities und Marco Polo II und mittlerweile ist überhaupt nicht mehr viel Überredungskunst notwendig um auch die größeren Spiele auf den Tisch zu bringen. Natürlich spielen wir (wenn überhaupt) in der Woche abends hauptsächlich kleinere Spiele, aber an den Wochenende werden in der Regel 2-3 Kenner-und Expertenspiele gespielt. Mittlerweile würde ich also meinen Mann als echten Brettspieler bezeichnen, er kauft auch eigene Brettspiele, wenn ihm das Thema besonders zusagt.
Also hier eine kurze Zusammefassung von meiner Meinung nach hilfreichen Tipps um die Partnerin zum Brettspielen zu bringen:
- Klein anfangen. Klar, wir wollen alle sofort Terraforming Mars spielen, aber für Neueinsteigerinnen kann das auch nach hinten losgehen und die Motivation nochmal zu spielen sinkt. Daher würde ich immer empfehlen mit kleinen Spielen anzufangen und sich dann schrittweise hochzuarbeiten.
- Zuhören. Es kann helfen nach dem Spielen sich mit der Partnerin über das Spiel zu unterhalten. Hat das Thema überzeugt oder die Mechanik? Was hat nicht gefallen? Und dann beim nächsten Spielekauf versuchen etwas zu finden, was der Partnerin gut gefallen könnte.
- Vorbereiten. Was für Spieleabende mit Freundinnen gilt, das gilt für mich auch, wenn ich mit meinem Mann spiele: Vorbereitung ist alles. Regeln durchgehen und verstehen, damit die Erklärung so flüssig wie möglich abläuft, alles schonmal aufbauen und schon fällt der Einstieg leichter.
- Nicht überfordern. Damit meine ich nicht Überforderung intellektueller Art, nur weil jemand nicht jede freie Stunde mit Brettspielen verbringen mag, bedeutet das ja nicht, dass man nicht dazu in der Lage wäre. Manche wollen einfach nicht und das muss auch okay sein. Also wenn die Partnerin einfach keine Lust hat oder lieber ein kleineres Spiel zum hundertsten Mal spielen will, dann nicht weiter versuchen, sondern einfach nachgeben. Vielleicht sieht es beim nächsten Mal ja schon ganz anders aus.
Ich hoffe sehr, dass dem ein oder anderen dieser kleine persönliche Erfahrungsbericht weiterhilft oder er euch einfach gefallen hat.